Das Oesinger Schützenfest früher:   

 

Das Schützenfest ist das größte Volksfest, was von je her von allen Einwohnern Oesingens mitgefeiert wurde. Wie das Schützenfest in den ersten Jahrhunderten gefeiert wurde, ist leider nicht überliefert.

 

Im 19. Jahrhundert wurde es gewöhnlich am Johannistag gefeiert, zwischen der Heu- und Roggenernte, wenn die Imker mit den Bienen wieder zu Hause waren. Es wurde im Freien gefeiert, lange Jahre auf dem Brinksitzer Falk'schen Hofe Nr. 20. Später wurde ein Schuppen im Fuhrenkamp für die Schenke gebaut und das Schützenfest dort gefeiert. Getanzt wurde noch immer im Freien.

 

Das Fest dauerte 4 Tage. Die jungen Burschen exerzierten damals ca. 8 Tage vorher. Gefeiert wurde Donnerstag und Freitag, der  Sonnabend war Ruhetag und diente zur Versorgung des Viehs. Der Sonntag war der Haupttag des Festes, zu dem dann auch viele auswärtige Besucher kamen. Eine Woche später wurde der "Lustige Sonntag" gefeiert.

 

Das Fest begann am Donnerstag mit einem Umzug, bei welchem die Fahne und der "Alte König"  mit Musik abgeholt wurden. Der König bewirtete die Teilnehmer mit Branntwein und Weißbrot sowie Zuckerwasser und kaltem, schwachem Grog. Während die jungen Leute auf der Diele blieben, wurden die Verheirateten in der Stube bewirtet.

Danach ging es mit der neuen, bunt bemalten Scheibe zum Schießplatz, wo sie zum Schießen angenagelt wurde.

Auf dem Zelt gab es dann "dat Buhrenfräustück" mit frischer Wurst und Sülze.

Die "Jungkerls" sammelten sich danach zur "Verteilung der Mädchen", wobei die älteren das Vorrecht hatten, sich ihre Tanzpartnerin auszusuchen. Die jungen Männer hatten dafür zu sorgen, dass ihre Mädchen beim Tanz nicht sitzen brauchten und durften sie auch nicht dursten lassen. Die Mädchen mussten ihre Tänzer zu den Mahlzeiten mit nach Hause nehmen und mit Essen und Trinken frei bewirten.

Nach dem Frühstück wurde ein Mittagsschläfchen gehalten und danach begann für die Bauern das Königsschießen und für die jungen Leute das Tanzen. König konnten nur die Bauern werden, welche mit zur "Schützengilde" gehörten. Das waren diejenigen, welche zum sogenannten "Lipp'schen Huse", Gemeindehaus Nr. 36 und zum Gemeinde-Schützenplatz , dem Fuhrenkamp, gehörten. Später konnten sich auch die Abbauer für 5 Thaler einkaufen.

Jeder hatte 3 Königsschüsse. König wurde, wer den besten Schuss abgegeben hatte, unabhängig von der Ringzahl. Er bekam vom alten König die Königskette umgehängt und wurde mit Musik nach Hause gebracht, wo die Scheibe am Giebel angenagelt wurde.

Die Teilnehmer wurden mit Weißbrot, Schnaps und kaltem Grog bewirtet. Dann ging es im Fest umzug zurück zum Schützenplatz wo dann bis in den frühen Morgen getanzt wurde.

 

Am Freitag Vormittag wurde der König abgeholt und der Umzug marschierte durch das ganze Dorf. Nach dem Frühstück war wieder Mittagsruhe bis ca. 15:00 Uhr. Auf dem Schießplatz gab es dann ein Preißschießen um Geldgewinne oder auch mal einen Hammel oder ein kleines Schwein, an dem sich jeder beteiligen konnte. Dann war wieder allgemeines Tanzen bis in die Morgenstunden.

 

Nach einem Tag Pause kam dann der Haupttag, der Sonntag.

Nach dem Nachmittags-Gottesdienst wurde der König abgeholt. Hierbei sammelte der Oberst die Gelder für den König und die Musik ein. Der König bekam von jedem Beteiligten ein "Schußgeld" von 6 guten Groschen (ca. 0,4 €) und aus der Gemeindekasse 4 Thaler, zusätzlich hatte er den Ausschank beim nächsten Schützenfest. Neben der Bewirtung der Beteiligten hatte der König die Königsscheibe (2-3 Mark), den "Scheibenkieker" (1,50 Mark) und die Gewinne der drei besten Schützen auf die Königsscheibe (1. Gewinn: 1 Thaler; 2. Gewinn: 1 Gulden; 3. Gewinn: 8 gute Groschen) zu zahlen. Wer König werden konnte und ohne triftigen Grund nicht am Schützenfest teilnahm, hatte 8 gute Groschen Strafe zu zahlen, die von den anderen verzehrt wurden.

Nachdem Umzug durch das Dorf war geselliges Beisammensein auf dem Festplatz und wieder Tanz bis in den Morgen.

 

Das Kinderschützenfest wurde bis 1870 schon mit "Puste-Rohr" Königsschießen und Ausmarsch gefeiert. Nachmittags war Kindertanz bis zum Einbruch der Dunkelheit.

 

Etwa von 1905 an, als der Gemeindetanzsaal abgenutzt war und die Wirte den Ausschank für sich beanspruchten, fanden die Schützenfeste nur noch bei den Wirten in ihren eigenen großen Sälen statt. Das war das Ende der Schützenfeste im Grünen. Die Beteiligung ging zurück und die Forderungen an den König stiegen. Deshalb ließ man dann ab dieser Zeit zu, dass auch die kleineren Besitzer mitmachen und König werden konnten, ohne sich einkaufen zu müssen.